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Verkaufsgespräch - Leseprobe
Ich gebe es zu. Zu Beginn der Verkaufsveranstaltung war ich durchaus
geneigt, mich mit dem Set angeblich hochwertiger Kochtöpfe näher
zu beschäftigen. Vielleicht hätte ich sogar einmal den Boden
der Pfanne beklopft und befühlt, die er nun schon seit fünf Minuten
in den schillernsten Farben und mit den buntesten Geschichten anpries.
Es hätte sogar sein können, dass ich einmal im Geldbeutel nachgeschaut
hätte, wie viel Geld ich mithatte, wenn, ja wenn ich nicht urplötzlich
einen fordernden, massiven, fast drohend auf mich wirkenden Unterton bemerkt
hätte. Flugs steckte ich den halbgezogenen Geldbeutel wieder in die
Hosentasche. Auch meine Sitznachbarn schienen inne zu halten und schauten
skeptisch. Doch genau in diesem Moment entschied sich der erste Kunde,
auf das einmalige Angebot einzugehen und das komplette Set zu kaufen. Damit
war die Lawine los getreten. Einer nach dem anderen wollte die fast tausend
Mark investieren, um eins dieser sagenhaften Kochgeschirre erstehen.
War dies nun ein Erfolg des Verkäufers? War das Produkt so gut,
dass man ihm wirklich nicht widerstehen konnte? Im Nachhinein war ich jedenfalls
sehr froh, weiter mit meinen alten Töpfen zu kochen. An die 15-Euro-Schnäppchen-Kaffeefahrt
auf Mallorca denke ich noch heute mit sehr zwiespältigen Gefühlen
zurück. Zumal ich mittlerweile einige Reportagen über die Tricks
dieser Urlauber abzockenden Verkäufer gesehen habe. Natürlich
ist das geschilderte Erlebnis keinesfalls mit einem normalen Kundengespräch
zu vergleichen. Dennoch hat es mir einiges vor Augen geführt.
Als Kunde möchte ich freundlich und zuvorkommend bedient werden. Ich
möchte nicht, dass mir jemand etwas aufschwätzt, oder zudringlich
wird. Ich will mich selbst entscheiden können und will gut beraten
werden. Wenn ich mich auch nach Jahren noch an dem gekauften Teil erfreue,
finde ich das prima. Ich will als Käufer ernst genommen werden. Ich
erwarte, dass der Verkäufer es ehrlich mit mir meint und mir als Mensch
begegnet. Denn ich muss mein Geld hart erarbeiten und es fällt mir
nicht leicht, mich von ihm zu trennen. Ich möchte dafür einen
Gegenwert und ich möchte Freude daran haben. Ich komme auch gern ein
zweites oder drittes Mal in ein Geschäft, in dem ich gut bedient wurde,
denn es ist sehr mühselig für mich, mir immer neue Bezugsquellen
suchen zu müssen. Wenn ich zu einem Verkäufer Vertrauen gefunden
habe, gibt mir das Sicherheit und ein gutes Gefühl. Zwei Beispiele
dazu:
1. In einem Schuhgeschäft wollte ich gerne das Paar Schuhe, das
mir gefiel noch in einer anderen Größe probieren. „Oh jeh, da
muss ich ja in den Keller gehen“, war die mit verschlossenem Gesicht präsentierte
Antwort der Verkäuferin auf meine Bitte. Den Weg konnte sie sich danach
sparen. Ich ging schnurstracks aus dem Geschäft.
2. Ich sah ein grünes Jackett im Schaufenster, das mir gefiel.
Die Verkäuferin angelte es, ohne zu zögern, aus der Auslage.
Leider passte es nicht. Aber sie bot mir einen Espresso an und meinte,
während sie ihn zubereiten würde, sollte ich mich in Ruhe umschauen.
Als sie wiederkam, hatte ich zwei, drei Alternativen gefunden. Ich trank
meinen Espresso, probierte die Jacketts an, ließ mich von ihr beraten
und fand schließlich, was ich wollte. Sie verpackte die Ware und
legte noch einen Schokoladenweihnachtsmann mit in die Tüte. Dieses
Geschäft habe ich schon einige Male weiter empfohlen und mein neues,
bordeauxrotes Jackett trage ich gerne. Wie und mit welchen Worten die Verkäuferin
mich damals beriet, kann ich heute nicht mehr wiedergeben. Aber darauf
kommt es auch nicht an. Es kommt auf die Stimmung an, die sie kreierte
und die ist mir gut im Gedächtnis. Sie hat mir die freie Entscheidung
gelassen, mir nichts aufgeschwätzt und mir vor allen Dingen das Gefühl
gegeben, dass ich ihr vertrauen kann. Auf die Stimmung kommt es an
und die überträgt sich durch die Stimme, durch die Mimik und
durch die Offenheit des Verkäufers. Und das spüren Ihre Kunden,
früher oder später.
Kaffeefahrten gehe ich jedenfalls seit dem denkwürdigen Erlebnis
auf Mallorca aus dem Weg. Lieber investiere ich bei einem seriösen
Reiseunternehmen etwas mehr, aber kann mich stattdessen noch nach Jahren
an einen herrlichen Inselausflug erinnern. Wäre doch toll, wenn ich
dies auch von einem Verkaufsgespräch sagen könnte. Vom Kauf meines
Jacketts werde ich jedenfalls noch öfters berichten.
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