ISI- Individuelle Seminare
Sucht macht keinen Unterschied. Menschen aller sozialen Schichten
und alle Hierarchieebenen der Arbeitswelt sind davon betroffen. Man muss
nicht erst "in der Gosse landen", um den Tiefpunkt zu erleben und sich
dem Suchtproblem zu stellen.
Je früher die Betroffenen mit ihrem Problem konfrontiert werden und gezielte Hilfe in Anspruch nehmen, um so größer ist ihre Chance, beruflich und sozial wieder Fuß zu fassen.
Dennoch weichen viele Arbeitgeber, Vorgesetzte und auch Familienmitglieder dem Problem aus. In vielen Fällen werden dadurch die Leiden der Betroffenen verlängert, oder führen zum endgültigen sozialen und beruflichen Abstieg. Die letzte Konsequenz ist der vorzeitige Tod. Denn Alkoholismus, Drogenabhängigkeit oder Medikamentenmissbrauch sind tödliche Krankheiten.
Beim Umgang mit Betroffenen empfiehlt sich ein Vorgehen in verschiedenen Stufen:
1. Phase: Verständnis zeigen
2. Phase: Das Problem offen ansprechen
3. Phase: Grenzen setzen
4. Phase: Deren Einhaltung überprüfen
5. Phase: Besserung belohnen, Rückfälle sanktionieren
6. Phase: Tritt keine Besserung ein, Konsequenzen ziehen
Offenheit, klare Vorgaben, Grenzen und verbindliche Konsequenzen helfen den Betroffenen. Falsche Rücksichtnahme, jahrelanges Decken, "Narrenfreiheit", Ausgrenzung und Mobbing schaden allen Beteiligten. Je klarer der Umgang mit der Sucht ist, umso deutlicher ist der Erfolg.
Der Umgang mit der Sucht erfordert Kompetenz aller betroffenen Ebenen: soziales, familiäres und betriebliches Umfeld müssen zusammen handeln, um einen wertvollen Menschen und Mitarbeiter/Mitarbeiterin ein suchtfreies Leben zu ermöglichen.
Sucht in der Gesellschaft:
Der Alkoholverbrauch ist in Deutschland von 1950 bis 1976 massiv angestiegen
und hält sich seither auf hohem Niveau.
Mit einem Pro-Kopf- Konsum von 12,14 Liter (1991) reinen Alkohols steht
die Bundesrepublik Deutschland auf einem internationalen Spitzenplatz.
Für die 15- bis 70-jährigen liegt der Pro-Kopf-Verbrauch bei
14,73 Liter/Jahr liegt" (DHS Jahrbuch Sucht, 1996).
Andere Studien (Junge 1995) gehen in der Altersstufe der 25- bis 69-jährigen davon aus, dass Männer täglich 55g Alkohol zu sich nehmen, Frauen 40 g. Hiermit sind die gesundheitssgefährdenden Grenzwerte des Alkoholkonsums, 20 g bei Frauen und 40 g bei Männern, weit übertroffen.
Die Deutsche Hauptstelle gegen die Suchtgefahren (DHS) schätzt
den Anteil alkoholkranker Menschen an der Gesamtbevölkerung auf ca.
2% bis 3%. Danach sind 2.500.000 Menschen in Deutschland alkoholkrank
und benötigen dringend Hilfe. Die Quote in den Betrieben fällt
noch deutlicher aus: Danach sind ca. 10 % aller Werktätigen alkoholkrank.
Alle Untersuchungen rechnen allerdings damit, dass die Dunkelziffer
noch weitaus höher ist.
Zudem muss mit einem Mehrfachmissbrauch gerechnet werden. So rauchen etwa 7 Millionen Deutsche mehr als 20 Zigaretten pro Tag. Außerdem steigt der Anteil der Menschen stetig, die Alkohol mit Medikamenten kombinieren. Auch Tablettenabhängigkeit, Spielsucht und der Konsum synthetischer Drogen sind stark auf dem Vormarsch.
Die Studie ("Dringliche Gesundheitsprobleme der Bevölkerung" Jahrbuch Sucht 1992 der Deutschen Hauptstelle gegen die Suchtgefahren) führt auf, dass die "...Übersterblichkeit alkoholkranker Menschen auf das Dreifache der Gesamtbevölkerung geschätzt wird."
Allein Alkoholabhängige sterben etwa neunmal so häufig an Leberzirrhose, zweimal so häufig an Krebserkrankungen des Magens und der oberen Verdauungswege und dreimal so häufig an den Folgen von Unfällen als die Normalbevölkerung.
Schätzungsweise 40.000 Todesfälle gehen jährlich auf Alkoholismus zurück. 50 Prozent aller Verkehrsopfer gehen auf das Konto von Verkehrsunfälle, bei denen Alkohol im Spiel ist. 1/5 aller Verkehrstoten sind dem Alkohol zuzuschreiben. Jährlich kommen etwa 1.800 Kinder alkoholgeschädigt auf die Welt.
Sucht ist ein gesamtgesellschaftliches Problem, das enormen sozialen
und finanziellen Schaden anrichtet.
Folgen für Mitarbeiter und Betrieb
Sucht ist teuer
Faktoren dafür sind:
- schlechte Arbeitsqualität
- Maschinenbedienungsfehler
- Fernbleiben vom Arbeitsplatz
- Schädigung des Betriebsklimas
- mangelnde Auslastung von Fertigungskapazitäten
- Überstundenkosten wegen Ausfall alkoholkranker Mitarbeiter
Jedes Jahr verursachen die Kosten, die durch den Missbrauch von Sucht
entstehen einen volkswirtschaftlichen Gesamtschaden von 50 bis 80 Milliarden
Mark pro Jahr in der BRD! (Quelle: G. Bühringer und R. Simon (in Psycho
18; 3/1992), Berechnung auf der Grundlage von sorgfältigen ökonomischen
Analysen der mißbrauchsbezogenen Kosten aus den USA und der Schweiz.)
"Es ist keine Schande alkoholkrank zu sein, es ist eine Schande,
nicht mit dem Trinken aufzuhören":
Satz der "Anonymen Alkoholiker" (AA)
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