ISI- Individuelle Seminare

Artikel aus "Das Journal" - Wirtschaftsjunioren im Saarland Ausgabe 2/2002
© Wolfgang Glitt - Individuelle Seminare - http://www.isisem.de

"Mund halten" führt in eine Sackgasse, die in Invalidität und Tod führt. Nur ein entschiedenes Vorgehen kann dem Kranken helfen und die betrieblichen Auswirkungen mindern. Der Umgang mit der Sucht erfordert Fachkompetenz und deutliche Maßnahmen.

Tödliche Krankheit "Sucht" - Maßnahmen in Betrieb und Umfeld

"Red` doch keinen Quatsch. Ein Pfundskerl ist das, der Michael. Das sagen alle. Frag` seine Kollegen. Für keine Arbeit ist der sich zu schade. Der Chef hat ihn gestern noch zum Mitarbeiter der Woche ernannt, jedenfalls was die Überstunden anbelangt. Natürlich trinkt Michael gern mal einen über den Durst. Aber Alkoholiker, der? Pass lieber auf, was du sagst und wen du in die Pfanne haust. Auf Mobbing reagiert unser Betriebsrat nämlich äußerst allergisch."

Mund halten, hilft nicht

Und deshalb wird der Kollege in Zukunft den Mund halten. Die anderen werden weiterhin ihre Arbeit auf Michael abwälzen und der Chef ihm zum König aller Überstunden krönen. Denn Michael meckert nie, Michael schluckt alles in sich hinein.

Funktionstüchtig, aber krank?

Nun muss Michael kein typisches Beispiel sein. Typisch aber ist die Reaktion seiner Umwelt. Jemand, der funktioniert kann doch nicht krank sein? Dabei sind gerade Suchtkranke, entgegen der landläufigen Meinung, oftmals sehr einsatzbereit und willensstark. Nur, was sie nicht können ist, sich abzugrenzen und auf sich selbst zu achten. Wenn ihre Mitmenschen dies nicht erkennen und Maßnahmen ergreifen, wird die Sucht dem Kranken zum Verhängnis, zur zwangsläufig tödlichen Falle.

Es geht nicht nur ums Geld, sondern hauptsächlich um den Menschen

Nach neusten Erhebungen verursachen Alkoholprobleme jährlich einen gesamtwirtschaftlichen Schaden von 20 Milliarden Euro. Rund zehn Millionen Deutsche sollen nach Aussage von Medizinern ihren Alkoholkonsum nicht im Griff haben. Es besteht dringender Handlungsbedarf.

Was ist zu tun? Folgender Maßnahmenkatalog bietet Orientierung für den Umgang mit der "Sucht" im Betrieb:

Offen auf das Problem "Sucht" zugehen und Bewusstsein schaffen
Die Entscheidungsträger müssen informiert sein
Eine Arbeitsgemeinschaft "Alkohol- und Suchtmittel am Arbeitsplatz" gründen
Entwurf einer Vorlage zur Sensibilisierung des betrieblichen Umfeldes
Zusammenarbeit mit Facheinrichtungen
Gespräch mit Betroffenen
Erarbeitung einer Betriebsvereinbarung
Entwurf und Durchführung eines Modells betrieblicher Suchtkrankenhilfe

Hinter der Sucht stehen Schicksale

Dabei ist zu beachten: Alkoholismus oder sonstige Süchte sind Krankheiten, die Körper, Seele und Geist befallen haben. Mit Medikamenten allein ist ihnen nicht beizukommen, nur mit Maßnahmen, ausgehend vom Betroffenen selbst und seinem Umfeld. Auch, wenn sie drastisch erscheinen, letztlich helfen sie dem Kranken. Denn Michael, oder wie auch immer der Kollege oder die Kollegin heißen mögen, sind wertvolle Menschen und Mitarbeiter, denen es rechtzeitig zu helfen gilt. Nicht erst das Schicksal des alkoholkranken Schauspielers Harald Juhnke zeigt, wie die Krankheit enden kann, sondern viele Beispiele, wenn wir mit offenen Augen durch die Betriebe und Straßen des Saarlandes gehen. Denn die Grenze zwischen Sucht und Genuss ist fließend.

Hilfe und Rat zum Thema Alkohol und Sucht gibt´s im Internet

http://www.soziales.saarland.d
http://www.selbsthilfe-saar.de
http://www.isisem.de/alkohol
Wolfgang Glitt



 
 

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